Saturday, October 28, 2006

BA Graffiti


Buenos Aires ist voll von Graffiti-Kunst, und diese sprach mir irgendwie aus der Seele. Irgendwer muss die Verantwortung schliesslich tragen.

Yarir hat das Bild auf meiner Kamera natuerlich prompt entdeckt, als er sie sich ausborgte, und der schwebt ja derzeit auf der vollen Glaubenswelle (sogar wenn er argentinischen Rock hoert, kann man sicher sein, dass die lyrics sowas wie "jesús, tomalo todo..." verkuenden). War mir nicht ganz sicher, wie er es aufnahm, aber da seine Kirche ohnehin mehr wie eine Sekte wirkt, geh ich nicht vom schlimmsten aus. Er redet auch noch mit mir. Immerhin hab ich nicht gleich wie Carian am ersten Tag gleich klargestellt: "Nein, in die Kirche geh ich eigentlich nur Weihnachten, ist irgendwie langweilig, fast nur alte Leute." Messen auf DVD sind halt nicht jedermanns Fall.

Wednesday, October 11, 2006

La Noche de los Museos






Einsichten, Aussichten und ein Museumskaffee zwischendurch. Museo de las Artes Decorativas bzw dessen nettes Café (das Museum selbst hat man in zehn Minuten im Schnelldurchgang erledigt) und Museo Malba... sehr cool!

Familienzusammenfuehrung


Die Freude ueber Steff und Martin´s Besuch war sichtlich gross. Ana ist sowieso die volle Mama, wir - dh Carina und ich - ueberlegen deshalb, ihr am Muttertag was zu kochen. Das Dilemma ist nur, dass wir beide die vollen Nieten sind, was Fleischzubereitung betrifft (und ueberhaupt, kann ja auf argentinisch - ja, das ist eine eigene Sprache, eben erst "diccionario del lunfardo" gekauft - kaum Gemuese bestellen, beim Baecker tu ich mich auch schwer, aber in all den Faellen kann man wenigstens auf das Objekt der Begierde zeigen, bei Fleisch hab ich nicht die leiseste Ahnung, wie es denn aussehen soll), und was Vegetarisches kann man hier fast nicht bringen. Obwohl ich schone eine Vegetarierin kennengelernt habe, die meinte, sie waere in ihrem Freundeskreis in guter Gesellschaft. Yarir ist nicht auf dem Bild, den seh ich auch sehr selten, wir arbeiten wohl beide zuviel oder gehen zu oft fort - Ansichtssache!

It takes two to tango? Nicht unbedingt... Beweisfoto.


Anlaesslich meines zehnjaehrigen Debutantenball-Jubilaeums, oder soll ich sagen meiner zehnjaehrigen Abstinenz in punkto Paartanz, habe ich meine Abneigung ueber Bord geworfen und bin tanzen gegangen. Naja, vorher war da schon eine Tango-Lesson in Virginia (Caroline, Anthony und Martin sei Dank), und ich stand ja ein klein wenig unter Druck, weil Luciano schon mit einem Tanz-Date "gedroht" hatte. Insofern war ich auch schon mal mit Partner unterwegs, in diesem Fall haben wir die dezente Aufforderung "cambio der pareja" gefliessentlich ueberhoert und waren auch erstaunlich kompatibel. Nach fuenf Minuten in der Anfaengergruppe haben wir uns gleich selbst zu Fortgeschrittenen befoertert, damit da auch was weitergeht. Zweimal war ich auf eigene Faust unterwegs, da ist das cambio-de-pareja-System sehr hilfreich. Bin direkt auf den Geschmack gekommen, auch wenn mir in jedem Kurs etwas völlig Anderes (dh jeweils ein ganz anderer Tanz) gelehrt zu werden scheint. In der allerallerersten Stunde haben sie mir gleich fuenf verschiedene Schritte eingetrichtert, und heute, wo ich schon mit einem gewissen Selbstbewusstsein hinging, uebten wir eine Stunde lang nur das Gehen, trotzdem: schwierig genug. Der volle Macho-Tanz uebrigens, ohne die "marca", das Zeichen des Mannes, darf frau ueberhaupt nichts unternehmen, dann soll es allerdings relativ schnell gehen. Naja, warhscheinlich ist das in Wirklichkeit bei allen Paartaenzen so, bloss hab ich das halt im Tanzkurs nicht so ganz mitgekriegt... bzw kam da wahrscheinlich kein (eindeutiges) Zeichen. Johanna, Caroline, ich versteh euch: hier sind die meisten Tanzpartner sogar kleiner als ich.

San Telmo am Sonntag






Markt, Tango, Strassenmusik, Bier in der Sonne, Folklore im Park... alles vor der Haustuer. Die Strassen muss man allerdings mit vielen Menschen teilen. Weiterkommen is nich.

Die Liebe meines Lebens







Fuer alle, die es noch nicht wissen: Ich stehe auf Haefen... und Docks und Schiffe (und Flugzeuge, aber das passt jetzt nicht ganz hierher). Puerto Madero ist zwar nicht ganz so toll wie Hamburg Altona, aber immerhin: Die Stadt hat einen Hafen. Leicht amerikanisch angehaucht, etwas unwirklich, einen Touch versnobt, aber durchaus nicht schlecht. Hat sogar eine Fussgaengerbruecke - Puente de la Mujer - und ein Schiffsmuseum. Aber seht selbst.

On the Job





Seht, mein Weg zur Arbeit, oder vielmehr mein Weg von der Arbeit - zweitere Richtung bevorzugt. Nicht, dass der Job furchtbar waere oder immer langweilig (nein, Lisi, es gibt hier auch keine Doubletten... schreibt man das so?), die Leute sind auch supernett, der Kaffee ist ziemlich gut, ich habe Zeit fuer private Emails und bin um 5:30 pm draussen aus dem Tempel (aehm, hab ich schon erwaehnt, dass die Aussicht aus dem 15. Stock des Tempels gar nicht uebel ist? - Foto folgt), aber - wie soll ich sagen? - wenn ich mich nicht selbst motiviere, wer anderer tut es nicht. Und nach einer doch etwas laengeren Nacht kann Eigencoaching schwierig und ein 8,5-Stunden-Tag sehr lang sein. Naja, soll nicht heissen, dass ich nix lerne: Gebt mir ein Produkt, ich vermarkte es in Argentinien. Aktive oder inaktive Hefe, her damit! Tiefenwaermekabinen, kein Problem! Fluessigkompost, ich bin die Frau fuer den Job!

Die Saeule liegt uebrigens direkt am Weg (tja, so nen Riesenphallus gibt's also nicht nur in DC), fuer den Rest muss man einen kleinen Schlenkerer machen.

Angekommen!



Wann ist man in Buenos Aires (die Stadt mit der hoechsten Dichte von Hundehaufen auf Gehsteigen und Psychiatern in schicken Palermo-Villen pro Einwohner, die Stadt, die vierhundert Verkehrstote pro Jahr verantwortet - kann mich grad nicht erinnern, ob die laut Lonely Planet nun ueberfahren werden oder doch ersticken oder sich beim Ein- bzw Aussteigen aus den Bussen, den colectivos, wie sie hier heissen... passenderweise, Busfahren ist naemlich eine sehr kollektive Angelegenheit, besonders zu Stosszeiten, dh immer zwischen 7 am und 9 pm, wo war ich, ach ja, bei den colectivos, deren Tueren sich naemlich nicht etwa erst oeffnen, wenn sie stehen, sondern bereits wenn die Geschwindigkeit 5 km/h unterschreitet, deren Busfahrer bereits losfahren, sobald der letzte zusteigende Passagier zumindest ein Koerperteil im Bus hat - die Stadt, wegen der ich glatt den Namen meines Blogs aendern musste) angekommen?

1. Wenn man nach 20-stuendiger Reise am Flughafen Ezeiza an der Gepaeckausgabe steht, glaubt, dass der Koffer verloren gegangen ist, und schliesslich froh ist, dass selbiger nur kaputt ist?

2. Wenn man in Vertrauenstaxifahrer Daniel's Auto das erste Mal im Stau steckt und erfaehrt, dass der Verkehr (wie so vieles andere) hier ein Puff ist -¡que quilombo!?

3. Wenn einem Ana die Haustuer aufmacht und einem ¡Bienvenida, mi amor! entgegenschallt?

4. Wenn man sich das erste Stueck argentinisches Rindfleisch (auch ein 750g-Steak heisst hier carnecita, quasi Fleischchen) zu Gemuete gefuehrt hat?

5. Wenn man stolze Besitzerin von Tangoschuhen ist?

6. Oder wenn einen der Tangoschuhverkaeufer beim naechsten Mal Vorbeigehen fragt, wie's denn inzwischen aussieht mit den Tanzkuensten?

Die Bilder: SAN TELMO, hier - in den Fussstapfen von Steff & Martin - wohne ich: Das Viertel bei Nacht und meine Aussicht bei Tag. Die Adresse ist "Estados Unidos", wie passend...