Experiencia abogadil
Halb 7 Uhr Tagwache, Freizeit kann anstrengender sein als Arbeitsleben – zumindest als das an der AHSt, und vor allem wenn man eine Anwältin als Freundin hat, die einen auf wilde Audiencias nicht etwa in der Capital Federal sondern in Gran Buenos Aires mitnimmt. Treffpunkt 9 Uhr in San Isidro, zuerst müssen wir im alten Colegio de Abogados ihre Credenciales erneuern lassen, dann geht es zum Gericht und zu Fuß in den 7. Stock, die Schlange vor den beiden Aufzügen ist nämlich enorm und die Anwältin von heute schließlich sportlich. Erstaunliches Getümmel da oben, wir gehen von einem Gerichts-Vorzimmer (so eine Art begehbarer Aktenschrank mit Theke) zum nächsten und Myriam lässt sich dort die Akte zu ihren Fällen geben. Was neu dazugekommen ist, wird händisch abgeschrieben, Kopieren ist wohl nicht, alles sehr down-to-earth. Im Anwaltszimmer (nicht das einzige Mal, dass ich an diesem Tag als Anwältin durchkommen muss / darf) weiß man nicht genau, ob man sich auf den grünen (Kunst-?)Lederpolstermöbeln auf abgetretenem Teppichboden zwischen rauchenden, vielfach schnurrbärtigen Typen und außer uns zumindest einer anderen Frau wie in England oder der ehemaligen DDR vorkommen soll. Beides steht in Widerspruch zu unserem Exprimido-de-Naranja-Geschlürfe. Ein wenig später erscheint Myriams Freund Martín, der schon von Vornherein sauer ist, dass ich ihm nihct früher vorgestellt wurde, und gleich fragt, ob ich – wenn ich denn wieder nach BA komme – schon eine Unterkunft hätte, denn ansonsten stünde mir natürlich sein Haus zur Verfügung. Leider Gottes müssen wir überstürzt aufbrechen, bevor es zu einem Heiratsantrag kommt oder er mir irgendein Versprechen abringen kann, Myriam hat nämlich eine andere Audiencia in Escobar.
Vorher Lagebesprechung mit ihrem Klienten – und Freund (ein Fall also, der kein Geld bringt) – Carlos, der sich endlich (laut Myriam viel zu spät) scheiden lassen will. Ort des Geschehens: die erste Tanke im Ort. Da sitzen wir 3 also mit unseren Baggio-Pronto-Multifrutal-TetraPak, dem argentinischen Pendant zu Sunkist, auf orangenen Plastiksesseln (der am Boden festgeschraubte Typ, der sich nicht mal bewegen lässt) und Carlos erzählt, wie der Kontakt zu seinen Kindern funktioniert oder eben nicht. Sehr skurill aber durchaus eine Erfahrung.
In seinem Auto fahren wir zum Gericht bzw. Friedensrichter mit Landgemeindeamtcharakter. Er – ebenfalls Anwalt – muss sich draußen mit seinen Anwaltsfreunden unterhalten, weil seine Frau ihn nicht mehr sehen will. Wir Ladies gehen rein zur zukünftigen Ex, die mehr wie seine Mutter aussieht und deren Anwalt in den 60ern sich augenblicklich für mich interessierte und seine Klientin Klientin sein ließ.Myriam hatte mich, um Probleme zu vermeiden, als österreichische Anwältin vorgestellt, er sprach mich daraufhin mit „doctora“ an, fragte mich zum österreichischen Rechtssystem aus und ließ mir zum Glück nicht allzu viel Zeit zum Antworten, weil er selbst sehr mit Reden beschäftigt war. Währenddessen unterschreiben die Parteien irgendwas vor der Richterin, und das war’s auch schon. Der Beruf ist also eigentlich ganz leicht.
Carlos revanchiert sich mit einem Tankstellenkaffee und prüft noch Myriam’s Reifendruck, wenn wir schon „vor Ort“ sind. Der will mich zwar nicht heiraten, aber immerhin bin ich zu seiner Hochzeit eingeladen. So wünscht man sich eine gute Reise bzw. eine gute Scheidung und natürlich ganz viel „suerte“.
Vorher Lagebesprechung mit ihrem Klienten – und Freund (ein Fall also, der kein Geld bringt) – Carlos, der sich endlich (laut Myriam viel zu spät) scheiden lassen will. Ort des Geschehens: die erste Tanke im Ort. Da sitzen wir 3 also mit unseren Baggio-Pronto-Multifrutal-TetraPak, dem argentinischen Pendant zu Sunkist, auf orangenen Plastiksesseln (der am Boden festgeschraubte Typ, der sich nicht mal bewegen lässt) und Carlos erzählt, wie der Kontakt zu seinen Kindern funktioniert oder eben nicht. Sehr skurill aber durchaus eine Erfahrung.
In seinem Auto fahren wir zum Gericht bzw. Friedensrichter mit Landgemeindeamtcharakter. Er – ebenfalls Anwalt – muss sich draußen mit seinen Anwaltsfreunden unterhalten, weil seine Frau ihn nicht mehr sehen will. Wir Ladies gehen rein zur zukünftigen Ex, die mehr wie seine Mutter aussieht und deren Anwalt in den 60ern sich augenblicklich für mich interessierte und seine Klientin Klientin sein ließ.Myriam hatte mich, um Probleme zu vermeiden, als österreichische Anwältin vorgestellt, er sprach mich daraufhin mit „doctora“ an, fragte mich zum österreichischen Rechtssystem aus und ließ mir zum Glück nicht allzu viel Zeit zum Antworten, weil er selbst sehr mit Reden beschäftigt war. Währenddessen unterschreiben die Parteien irgendwas vor der Richterin, und das war’s auch schon. Der Beruf ist also eigentlich ganz leicht.
Carlos revanchiert sich mit einem Tankstellenkaffee und prüft noch Myriam’s Reifendruck, wenn wir schon „vor Ort“ sind. Der will mich zwar nicht heiraten, aber immerhin bin ich zu seiner Hochzeit eingeladen. So wünscht man sich eine gute Reise bzw. eine gute Scheidung und natürlich ganz viel „suerte“.

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